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       Margot Overath

 

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Verbrannt in Polizeizelle Nummer 5

Der Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in Dessau

Am siebten Januar 2005 verbrannte der aus Sierra Leone stammende Oury Jalloh im Gewahrsam eines Dessauer Polizeireviers. Er war am frühen Morgen betrunken aus der Disko gekommen, hatte Frauen der Stadtreinigung angesprochen, die sich von ihm gestört fühlten, war von Funksteifenpolizisten mitgenommen, eingesperrt und an Händen und Füßen gefesselt worden. Vier Stunden später schlug der Brandmelder an: Feueralarm in Zelle 5. Als Oury Jalloh gerettet werden sollte, war es zu spät. Er verbrannte bei lebendigem Leibe. Er habe sich selbst angezündet, sagte die Polizei. Zwei Jahre später begann vor dem Landgericht Dessau-Roßlau der Prozess gegen zwei Polizeibeamte. Gegen den Dienstgruppenleiter Andreas S. wegen des Vorwurfs der Körperverletzung mit Todesfolge. Er war für Oury Jallohs Sicherheit zuständig. Und gegen den Streifenpolizisten Hans-Ullrich M., ihm wurde fahrlässige Tötung vorgeworfen. Er hatte Oury Jallohs Kleidung durchsucht und angeblich ein Feuerzeug übersehen. Nach 59 Verhandlungstagen wurden die Angeklagten freigesprochen. Das Gericht habe „trotz intensivster Bemühungen“ den Tod nicht aufklären können, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Steinhoff. Am siebten Januar 2010, genau fünf Jahre nach Oury Jallohs Tod, hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf und gab den Fall dem Landgericht Magdeburg zur Neuverhandlung.

Der erste Aufklärungsversuch war gescheitert. Warum? Aus Angst vor der Wahrheit?

Wie kam der Brand in Zelle fünf zustande? Das Urteil des Dessauer Landgerichts führt keine Beweise an, sondern nur Annahmen, die "nicht nachvollziehbar" waren für den Bundesgerichtshof. Er gab dem Magdeburger Gericht zur Aufgabe, Oury Jallohs Verbrennungstod komplett neu zu untersuchen.

Am 13. Dezember 2012 verurteilte die Magdeburger Strafkammer den ehemaligen Dienstgruppenleiter Andreas S. wegen "Fahrlässiger Tötung" zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro.

Der "Fall Oury Jalloh" blieb ungelöst.

Die Sendung nimmt uns mit an den Ort des Geschehens. Sie macht uns mit einem Dessauer Polizisten bekannt, der das Schweigegebot des Polizeikorps ablehnt. Aus naheliegenden Gründen muss er anonym bleiben.

Produktion: MDR/DLF/NDR 2010 

Download des Sendemanuskripts: Deutsch  / Englisch

Was geschah in Zelle Nr. 5? In: Der Tagesspiegel. 7. Januar 2011, S. 3

Amnesty International zum Magdeburger Urteil

Zum Vergleich: Am 22.04.1993 ermordeten Rechtsradikale in London Stephen Lawrence. Der Fall führte dazu, dass Rassismus in der britischen Polizei aufgedeckt werden konnte. In der Folge wurden Gesetze geändert und eine unabhängige Institution ins Leben gerufen, die bei Verdacht auf institutionellen Rassismus ermittelt.
Amnesty International setzt sich dafür ein, dass auch in Deutschland unabhängige Untersuchungsmechanismen geschaffen werden, die alle Vorwürfe gegen Polizeibeamte wegen schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen überprüfen.