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Hört die Kinder weinen.
Über den Mißbrauch der Datennetze

Koproduktion RB/NDR 1998

Das erste Bild sah ich in München, im Polizeipräsidium an der Ettstraße. Der Fahnder hatte im Internet eine der einschlägigen newsgroups aufgerufen. Ein Schnupperangebot sei das, erklärte er mir. „Wenn Sie hier weiterklicken und Ihre Scheckkartennummer angeben, das geht ins Geld.“ Auf dem Monitor sind ein acht- bis zehnjähriges Mädchen zu sehen, ein Mann und eine Frau. Im ersten Moment war ich schockiert, dann einen Augenblick erleichtert, weil offenbar keine Gewalt im Spiel war. Aber schon im nächsten Augenblick begriff ich meinen Irrtum. Mir fielen die Worte einer Frau ein, die ich am Abend zuvor im Hotelzimmer in einer Fernsehreportage über die Folgen sexueller Gewalt in der Kindheit gehört hatte. Die Frau sagte: „Er hatte mich jeglicher Unschuld beraubt und das ist das Schlimmste, was man einem Kind antun kann.“ Das hier war Gewalt. Weil es keine gewaltlose Sexualität gibt zwischen Erwachsenen und Kindern. Das Kind wird konsumiert. Und die Datennetze werden als Markt mißbraucht. Was bisher als Videokassette über Anzeigen gehandelt wurde, ist im Netz per Mausklick am heimischen Computer abrufbar.