Impressum  Haftungsausschluss  Datenschutzerklärung

Radio-Features

mail@margotoverath.de

 

Oury Jalloh und die Toten des Polizeireviers Dessau. Featureserie in 5 Teilen

Produktion: WDR 2020

 

Die Serie:

 

1/5:  Die Leiche ist schuld    

 

 

 

2/5:  Auf den Bauch gelegt   

 

3/5:  Der Bürger schlief tief und fest   

 

4/5:  Opfer minderer Bedeutung?   

 

5/5:  Das höhere Gut    

 

 

Als Podcast  hören

 

 

Neuer Zeuge, neue Erkenntnisse  - WDR Interview mit Margot Overath  

15 Jahre ungeklärt: Der Tod des Oury Jalloh. MDR Interview mit Margot Overath  

 

Das Feature:  

Oury Jalloh. Chronik eines deutschen Skandals.

 


Die Serie "Oury Jalloh und die Toten des Polizeireviers Dessau"

Eine Spurensuche. Eine Chronik.

Ein Asylbewerber aus Afrika verbrennt 2005 im Polizeigewahrsam. Der an Händen und Füßen Gefesselte habe sich selbst angezündet, behaupten die Beamte. 15 Jahre lang scheitert die Justiz trotz mehrfacher Anläufe daran, den Fall aufzuklären - und macht ihn damit zum Politikum.

Warum musste Oury Jalloh sterben? Welche Rolle spielten zwei weitere ungeklärte Todesfälle" in und um die gleiche Polizeiwache? Scheiterte die Aufklärung an dilettantischen Ermittlungen, an Richtern, die sich Polizeibeamte als Täter einfach nicht vorstellen können, oder war es Ergebnis systematischer Vertuschung ?

Über ein Jahrzehnt habe ich den Fall verfolgt, Akten studiert, mit Zeugen, Polizisten, Staatsanwälten, Brandexperten, Rechtsmedizinern und Kriminologen gesprochen und dabei ein beklemmendes Bild gewonnen. Die Recherchen führten in eine Gemengelage, wie es sie zum Zeitpunkt der Tat nicht nur in Sachsen-Anhalt gab: Brutale Polizeitraditionen aus Vopo Zeiten gepaart mit offenem Alltagsrassismus und gewaltbereitem Rechtsradikalismus – verharmlost von Spitzen der Verwaltung und Politik. Manches davon wurde später zu einem bundesweiten Problem.

Die Feature-Serie dokumentiert die mühsame Suche nach der Wahrheit - über den Tod von Oury Jalloh und dem Tod von Mario B., der zwei Jahre zuvor in derselben Zelle starb. Es geht auch dem ungeklärten Tod von Hans-Jürgen R. nach, der 1997 nach einer Alkoholkontrolle schwerverletzt in der Nähe des Polizeireviers gefunden wurde. R. starb am folgenden Tag. Es stellt die Frage, ob Korpsgeist und falsch verstandene Loyalitäten in Strafverfolgungsbehörden zur Gefahr für den Rechtsstaat werden.

Reaktion : Thomas Nachtigall

Regie: Nikolai von Koslowski

Sprecherin: Eva Meckbach

Produktion: WDR 2020

Warum musste Oury Jalloh sterben?

Welche Rolle spielten zwei weitere ungeklärte Todesfälle?

Recherchen decken brutale Polizeitraditionen auf

Ein Asylbewerber aus Afrika verbrennt am 7. Januar 2005 in einer Polizeizelle in Dessau. Seit nunmehr 15 Jahren kann die Justiz den Fall nicht aufklären – und macht ihn dadurch zum Politikum. In der Feature-Serie "Oury Jalloh und die Toten des Polizeireviers Dessau" befasst sich WDR5 mit einem der größten ungeklärten Justizskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte. Wir sprachen mit Autorin Margot Overath.

WDR: Frau Overath, Sie sind seit mehr als zehn Jahren auf der Suche nach der Wahrheit im Fall Oury Jalloh. Was glauben Sie, geschah am 7. Januar 2005 in der Zelle des Polizeireviers Dessau-Roßlau?

Margot Overath: Nach meinen Recherche wurde Oury Jalloh schwer misshandelt. Er verlor das Bewusstsein, es wurde kein Arzt geholt, was unbedingt nötig gewesen wäre, und nachdem vermutet wurde, dass er nicht wieder aufwacht, wurde sein Suizid inszeniert.

WDR: Wenn das wirklich so war, wäre es dann Mord oder Totschlag ?

Autorin Margot Overath im Interview mit Dr. Kurt Zollinger, Brandsachverständiger aus Zürich

 

Overath: Ich bin keine Juristin, aber ich habe einigen Leuten diese Frage gestellt. Ein Staatsanwalt sagte mir, bei einem solchen Ablauf sei es ganz klar Mord. Auch die Nebenklage-Anwältin geht von Mord aus.

WDR: Wie viele Menschen kennen überhaupt die Wahrheit?

Overath: Das sind vermutlich nur sehr wenige. Eine wichtige Zeugin ist die Polizistin, die damals die Feuerwehr rief. Vermutlich weiß sie alles, aber sie hat im Prozess die Aussage verweigert. Von ihr ist also nichts mehr zu erfahren.

WDR: Wenn man die Serie hört, hat man den Eindruck, es gibt eine kleine Gruppe Menschen, die die Wahrheit kennt, aber sie nicht ans Licht kommen lässt. Wie gelingt ihnen das?

Die Verwahrzelle im Polizeirevier Dessau-Rosslau

 

Overath: Das hängt mit den Strukturen in der Polizei zusammen, aber nicht nur. Die Staatsanwaltschaft hat sich von Anfang an auf die Version des unfreiwilligen Suizids eingelassen. Unfreiwillig, weil Oury Jalloh versucht haben soll, mit einem Feuer auf sich aufmerksam zu machen. Ein Brandversuch hat aber gezeigt, dass es nicht so gewesen sein kann. Und damit ging das Desaster von vorne los. Denn nun sollte das Ergebnis unter den Teppich gekehrt werden, aber nicht mehr von der Staatsanwaltschaft Dessau. Da waren höhere Mächte beteiligt. Wie das gelungen ist, schildere ich in der Feature-Serie.

WDR: Sie berichten über zwei weitere Todesfälle. Welchen Bezug haben Sie zum Fall Oury Jalloh?

Overath: Ich habe mich auch mit zwei Todesfällen in und um diese Wache von 1997 und 2002 beschäftigt. Beide Ermittlungsverfahren wurden damals eingestellt. Der Oberstaatsanwalt hielt es 2017 für möglich, dass Oury Jallohs Tod auch deshalb als Suizid dargestellt wurde, damit die Fälle nicht noch einmal untersucht werden. Ein Informant berichtet, wie Polizisten ihre Machtgelüste an hilflosen Schutzbefohlenen auslebten. Das war nicht nur in der Wache bekannt, ihr Verhalten wurde auch von Vorgesetzten gedeckt und ging zurück auf Traditionen aus Zeiten der Volkspolizei, die Angst machen sollten.

WDR: In Ihrer Feature-Serie kommen auch neue Zeugen zu Wort.

Overath: Ja, ich habe mit aktiven und mehreren ehemaligen Polizeibeamten sprechen können. Einer stammt aus dem Umfeld der damaligen Dienstschicht. Es geht mir darum, aus einer Vielzahl von Indizien den wahrscheinlichen Tathergang zu rekonstruieren, aber auch um die Motive, warum er vertuscht werden musste. Dabei haben mir viele Menschen geholfen, die an den Prozessen beteiligt waren, Wissenschaftler, aber auch Kriminalisten und Forensiker, die ihr Fachwissen einbringen.

Das Interview führte Michael Scholten

 

zum Seitenanfang

 

 

 

Oury Jalloh - die widersprüchlichen Wahrheiten eines Todesfalls (Feature des MDR von 2014)

Audiofile zum Feature von 2014

Manuskript (deutsch) im pdf-Format
Manuskript (englisch) im pdf-Format

Pressetext zum Radiofeature von 2014:

7. Januar 2005, Dessau, Sachsen-Anhalt. In einer Polizeizelle verbrennt ein an Händen und Füßen gefesselter Mensch bei lebendigem Leib. Selbst verschuldet, sagen die einen. Ermordet, sagen die anderen. Auch der zweite Prozess vor dem Landgericht Magdeburg bringt keine endgültige Aufklärung der Brandursache.

Auf der Anklagebank saß Andreas S., der als Dienstgruppenleiter für Oury Jallohs Sicherheit zuständig war. Am 18. Dezember 2012 verurteilt ihn die Magdeburger Strafkammer zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro wegen Fahrlässiger Tötung, weil er angeblich Jallohs Suizid nicht verhindert habe. Der Bundesgerichtshof bestätigt das Urteil am 4. September 2014. Damit könnte der Fall abgeschlossen sein – doch schon seit Dezember 2013 liegen neue Hinweise vor, dass Oury Jalloh den Brand nicht selbst entzünden konnte. Am 3. April 2014 erklärt die Staatsanwaltschaft Dessau, den neuen Hinweisen in einem gesonderten „Todesermittlungs-verfahren zum Nachteil Oury Jalloh“ nachgehen zu wollen.

Die Autorin knüpft an die Recherche für ihr erstes Feature zum Fall Oury Jalloh an und hinterfragt die Ermittlungsergebnisse erneut. Mit der Unterstützung von Gerichtsmedizinern, Toxikologen und Kriminalbeamten geht sie Ungereimtheiten nach und bekommt Hinweise auf einen dritten Mann.

 

zum Seitenanfang

Auszeichnungen:

Feature-Preis Bremer Hörkino 2015

CIVIS Ehrenpreis 2015

Preis des Dokumentarfestivals Karlsruhe 2015

Deutscher Sozialpreis 2015

Weitere Features zum Tod Oury Jallohs in der Polizeizelle:

„Ich kann das nicht einen Tag vergessen.“ Das neue Leben des Mouctar Bah.

Verbrannt in Polizeizelle Nummer 5 Der Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in Dessau

„Die Wahrheit kommt ans Licht“ - Artikel von Jochen Meißner zur Verleihung des Axel-Eggebrecht-Preises in „Medienkorrespondenz“, H. 19/2016, 19.09.2016

zum Seitenanfang

 

Am 2. Juni 2017 jährte sich der Tod von Benno Ohnesorg zum 50. Mal. Zwei Dokumentationen, die sich ergänzen und über das Erinnern hinausgehen:

Der 2. Juni 1967 gehört zu den wichtigsten Daten der deutschen Nachkriegsgeschichte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie starb Benno Ohnesorg.
Der 2. Juni 1967
rbb TV-Dokumentation für die ARD 
zusammen mit Klaus Gietinger

nominiert zum Grimme-Preis 2018

 

Benno Ohnesorg. Chronik einer Hinrichtung
Radiofeature rbb Kulturradio

 

zum audiofile der Wiederholung auf Deutschlandfunk Kultur am 2. Juni 2018 ab 18:05 Uhr

 

Kurras hatte geschossen. Die Polizei sorgte dafür, dass die Wahrheit nicht ans Licht kam und die Justiz spielte mit. Eine Spurensuche, fünfzig Jahre danach.

Die Dokumentationen rekonstruieren minutiös die Abläufe. Sie gehen allen Spuren in Ost und West nach. Werten bislang unbekannte Akten, Fotos sowie verschollen geglaubte Filmschnipsel aus. Zahlreiche Zeugen berichten, von denen die meisten noch nie vor der Kamera standen.

Was geschah wirklich am 2. Juni 1967? Wie kam es zum Schuss? Es gab Augenzeugen. Wieso wurde dennoch Kurras Lügen geglaubt? Wann begann die Vertuschung und wer organisierte sie? War der Freispruch für Kurras als Folge der Vertuschung zwangsläufig? Wie dachten die eingesetzten Polizeibeamten?

Welche Folgen hatte der 2. Juni 1967 für die Teilnehmer der Anti-Schah-Demonstration und darüber hinaus für eine ganze Studentengeneration?

Radiofeature Benno Ohnesorg. Chronik einer Hinrichtung

TV-Dokumentation, zusammen mit Klaus Gietinger "Wie starb Benno Ohnesorg" Produktion: rbb für die ARD

zum Seitenanfang

 

Liste der Radio-Features von Margot Overath

 

Oury Jalloh und die Toten des Polizeireviers Dessau. Chronik eines deutschen Skandals

Benno Ohnesorg.Chronik einer Hinrichtung

Heidelberg.Kuba.Uruguay.Berlin. Margrit Schiller - eine Biografie mit Brüchen

Oury Jalloh. Die widersprüchlichen Wahrheiten eines Todesfalls

Schule, chillen, Schlagzeug spielen. Kinder in Deutschland erzählen

For the Longest Time. Über die große Liebe zur Kunst und das kleine Geld.

Die deutsche Beinkönigin. Wie Gonda Sureen die Strumpfmode beeinflusste.

„Ich kann das nicht einen Tag vergessen.“ Das neue Leben des Mouctar Bah.

Verbrannt in Polizeizelle Nummer 5 Der Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in Dessau

Das Geheimnis des Misserfolgs. Warum Schüler scheitern.

Blutsbrüder. Die Geschichte einer Freundschaft und wie sie den Bürgerkrieg in Liberia überlebte.

Will Cassel. Der aus dem Zwerg ein Kunstwerk machte.

Entführt oder gerettet.  Das Schloss der griechischen Kinder

Busen-Wunder. Brustaufbau nach Krebs

Braut wider Willen. Flucht vor Zwangsheirat

Meine Schuhe gehen immer schrott. Arme Kindheit heute. Bericht mit Originaltönen

Der Mann der Kopf der Frau. Szenen zweier Ehen

"Und träume unsere Liebe weiter", Marianne Golz und Richard Macha. Tod durch das Fallbeil, Prag 1943

Wer war Gudrun Ensslin? Ein Porträt

Mein Vater gegen Pinochet. Der Militärputsch in Chile und seine Folgen für die Familie Simon. 

Das Geheimnis. Eine polnisch-deutsche Familiengeschichte 

"So menschlich wie möglich", Berichte aus der Abschiebungshaft

Es geschah am zweiten Juni. Warum der Tod von Benno Ohnesorg nicht vergessen ist

Das T-Projekt. Lebensläufe mit Opfern

Wo sind meine Gurte. Der Eingriff in das Leben des sonderbaren Mädchens Michaela

Nurans Tod. Bericht über eine Spurensuche

Vermisst, verschollen, gefunden. Vom Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes

Die Schlafkur. Protokoll eines Psychiatrie-Irrtums nach Dokumenten und Originalton-Zeugnissen

Hört die Kinder weinen. Über den Missbrauch der Datennetze

Raub der Stradivari. Die Geschichte eines jungen Geigers unter falschem Verdacht

In meiner Phantasie konnte ich fliegen. Die Entführung des Komponisten Isang Yun im Kalten Kriegsjahr 1967

Auf der Flucht. Wie der junge Koudjo aus Togo doch noch in Deutschland Asyl bekam

Das Glück kommt aus der Villa. Süchtig unter Telefon-Vorwahl Null-190

Abgeschoben. "Der Vollzug aufenthaltsbeendender Maßnahmen wird angeordnet"

Genug erinnert? Der Autor und Regisseur Karl Fruchtmann

Das Paradies der inneren Lust. Junge Nonnen - Bräute Christi

Todesmarsch. Die "Evakuierung" der Konzentrationslager von Januar bis Mai 1945

Spurenakte 59, Rückblick auf einen Bremer Justizskandal.

Auf Brechen und Biegen. Von Dieben und Opfern.

"Und irgendwann kann man hier nicht mehr leben." Kinder haften für ihre Eltern.

"Es ist schwer, damit zu leben". Vom Trauma namens Auschwitz

"Das Leben war hier eben so." Eine Reise nach Annaberg im Erzgebirge.

Ausweglos. Selbstmorde in Wende-Zeiten.

Tödliche Fahndung. Die Geschichte der Elisabeth von Dyck.

Reichtum für Ritterhude. Das Kapital der Brüder Ries.

Schädliche Gespräche. Über den Versuch, mit Gefangenen im Hochsicherheitstrakt zu sprechen.

Heimkehr in die Fremde. Der Auschwitz Überlebende Hans Frankenthal.

"Wenn man den Trennungsstrich nicht klar zieht, geht er durch einen durch". Über den Sinn des Dialogs mit Terroristen.

"Nicht grausam und nicht heimtückisch". Die deutsche Justiz und der Mordfall Ernst Thälmann.

Der Coup. Ein Verfassungsschutzskandal in Bremen.

zum Seitenanfang

 

Auszeichnungen und Preise:

          

       

zum Seitenanfang